Fehlender Mobilfunk als größtes Manko des Standorts

Schramberg. „Jeder Blick auf die Uhr muss ein Genuss sein“, so empfing Geschäftsführer Matthias Stotz den FDP-Landtagsabgeordneten Daniel Karrais. Der erfolgreiche Uhrenmanager erläuterte die Tradition, bei der sich Uhrmacherei und Kunst aufs Schönste am Handgelenk verbinden. Beim Rundgang erhielten die Besucher einen detaillierten Einblick in das erfolgreiche Konzept. Design und Produktion arbeiten Hand in Hand. Dabei wird großen Wert gelegt auf kreative Arbeit und Detailtreue.

Der Weg von Junghans klingt durchaus beeindruckend. So habe man in Schramberg in der über 150-jährigen Unternehmensgeschichte weit mehr als 450 Millionen Uhren gefertigt. „Bereits 1903 war Junghans der größte Uhrenhersteller der Welt“, berichtet Stotz. 2008 wäre die Geschichte beinahe zu Ende gewesen als Junghans aufgrund von Schwierigkeiten des damaligen Mutterkonzerns Insolvenz anmelden musste. Doch mit einem neuen, zielführenden Konzept, und dem Engagement des Schramberger Ehrenbürgers Dr. Hans-Jochem Steim und seinem Sohn Hannes Steim, gelang dem schwäbischen Traditionsunternehmen der Wiederaufstieg. „Wir haben uns noch mehr auf unsere Stärken fokussiert und sind mit einer gestrafften Kollektion nun erfolgreich. Wir liefern in knapp 30 Länder auf vier Kontinenten und behaupten uns im umkämpften Markt,“ erzählt Stotz von der positiven Entwicklung, die er als Geschäftsführer mit zu verantworten hatte. Als Erfolgsrezept sieht der gelernte Uhrmachermeister Stotz das einzigartige Design, das heute ausnahmslos von den Designern im Haus erstellt werde und auch die Weiterentwicklung der Designikonen von Max Bill findet im Sinne des Künstlers in Schramberg statt.

Als äußerst positiv bezeichnete Stotz das Ausbildungskonzept im Uhrmacherhandwerk. „Es gibt drei Uhrmacherschulen, in denen Azubis in Vollzeit ausgebildet werden. Die Uhrmacherazubis bei Junghans durchlaufen eine duale Ausbildung; das erste Jahr verbringen sie in Schwenningen oder Furtwangen,“ erklärt Stotz auf die Frage nach Nachwuchsfachkräften hin. Danach finde die Ausbildung im Betrieb mit Berufschulunterricht statt.

Bei der Führung durchs Unternehmen konnte sich Karrais davon überzeugen, dass sowohl das Produktdesign als auch jeder einzelne Produktionsschritt unter einem Dach erstellt wird. Dabei legen die Mitarbeiter großen Wert auf Qualität. „Wir sind ständig von Uhren umgeben, sodass wir eine klassische Armbanduhr eigentlich nicht brauchen. Aber es ist einfach der Stil und das Gefühl am Handgelenk, das klassische Uhren ausmacht“, ist Karrais überzeugt, der selbst nicht viel davon hält auf den eigenen Zeitmesser am Handgelenk zu verzichten.

Auf die Politik angesprochen zeigte sich Stotz insgesamt zufrieden, kritisierte aber den unzureichenden Netzausbau in Deutschland. „Zwischen Rottweil und Schramberg geraten Sie ständig in Funklöcher. Das kann sich eine erfolgreiche Region nicht leisten. Auch bei uns im Werk hat man nur sehr eingeschränkt Empfang,“ ärgert sich Stotz. Viele ausländische Besucher nähmen verwundert wahr, dass man es ohne lückenlose digitale Infrastruktur schaffe Qualitätsprodukte für die ganze Welt zu produzieren, so der Geschäftsführer, der auf die Wichtigkeit von Konnektivität für die Markenarbeit hinweist.

„Lückenloses telefonieren und schnelles mobiles Internet sind Pflicht, wenn wir nicht bei der digitalen Transformation unter die Räder geraten wollen“, stimmte ihm der Digitalpolitiker Karrais zu. Das heiße aber auch, dass Mobilfunkunternehmen ausbauen dürfen müssen. „Wenn man sich am einen Tag über Funklöcher beschwert, am nächsten Tag aber neue Sendestationen ablehnt, wird es nicht voran gehen,“ sagt der Abgeordnete mit Blick auf manchen Aktivisten oder Kommunalpolitiker in der Region. Für die notwendige Aufklärungsarbeit bei der Bevölkerung wolle er sich einsetzen. „Es kann nur klappen, wenn wir die Leute mitnehmen,“ so Karrais.

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„Viele Blicke auf höchst kreative Uhren, die ein Genuss für die Augen darstellen“, präsentierte Matthias Stotz dem FDP-Landtagsabgeordneten Daniel Karrais in Schramberg Foto: Rack.