Tuttlingen. Wenn es um den 5G-Mobilfunkausbau geht, ist der Landkreis Tuttlingen vorne dabei in Baden-Württemberg. Deshalb trafen sich die Landtags-Abgeordneten Daniel Karrais, Sprecher für Digitalisierung, und Gabriele Reich-Gutjahr, Sprecherin für Wirtschaftspolitik, von der FDP/DVP-Fraktion im Landratsamt in Tuttlingen. Gemeinsam mit Landrat Stefan Bär und Wirtschaftsförderer des Landkreises, Jörg Sattelmayer sprachen sie über das Tuttlinger Pilotprojekt für eine flächendeckende Mobilfunkplanung. „Das Projekt soll idealerweise als Blaupause für andere Kommunen dienen, um den schnellen Ausbau vorzubereiten,“ erklärt Landrat Bär.
Im Fokus des Projekts „Digitaler L@ndkreis Tuttlingen“, das durch 49.500 EUR vom Land Baden-Württemberg gefördert wird, stehen sämtliche kommunale Maßnahmen, die bei der Initiierung des Netzausbaus durch die Mobilfunkanbieter förderlich sein können . Ein Teilziel des Projekts, eine Ist-Analyse der Netzabdeckung im Landkreis sowie die Entwicklung einer Strategie für den 5G-Mobilfunknetzausbau für den Landkreis Tuttlingen, ist schon erfüllt. Das Projekt definiert zwei wesentliche Ziele: die Sicherstellung eines kreisweiten, flächendeckenden 4G/5G- Mobilfunkversorgung und die Vorbereitung von spezifischen innerörtlichen Ausbaumaßnahmen im Hinblick auf die neuen 5G-Anwendungsszenarien. In vier Musterkommunen soll dabei der 5G-Ausbau exemplarisch vorbereitet werden. So solle der Bedarf für die umliegenden Unternehmen sowie für die Bürgerinnen und Bürger gesichert werden, erklärt Bär. Landrat Bär beschreibt dabei die Herausforderungen, denen der Landkreis begegne. „Der Förderalismus in Deutschland ist oft eine Herausforderung,“ so Bär. Andere Länder wie Spanien haben auch im ländlichen Raum eine mobile Internetverbindung, da die Organisation und die Umsetzung zentral gesteuert werden.
Es sei in der Region schon so weit, dass einige Kommunen nicht mehr länger auf finanzielle Förderung vom Bund warten wollen, um endlich mit dem Ausbau zu beginnen. „Man braucht sich nicht wundern, warum Deutschland in Rankings hinter Ländern wie Rumänien liegt“, meint Jörg Sattelmayer.
Abgeordnete Reich-Gutjahr sieht ein weiteres Problem: „Jeder will 5G, aber keiner will einen Mobilfunkmast vor dem eigenen Haus“. Dabei handle es sich bei einem flächendeckenden 5G-Ausbau mittlerweile um „Daseinsvorsorge“, meint Bär und bekommt Zustimmung von den beiden Abgeordneten. Bär und Sattelmayer sehen in den Unternehmen im Landkreis „Multiplikatoren“, die die Notwendigkeit eines 5G-Mobilfunknetzes herausstellen können. „Mittlerweile hat man viele Möglichkeiten, Mobilfunkmasten in kleinerer Form und dafür in kürzeren Abstände aufzubauen. Das reduziert auch die Sendeleistung,“ meint der Digitalpolitiker Karrais.
Die wichtigste Voraussetzung beim Pilotprojekt im Kreis Tuttlingen liege für Sattelmayer jedoch bei der Kooperationsbereitschaft der Mobilfunkunternehmen. „Ohne Bereitschaft der Telekommunikationsunternehmen auf die Planung der Kommunen zurückzugreifen, wird es schwierig,“ mahnt er an. Kooperation sei auch bei dem Aufbau der Glasfaserinfrastruktur notwendig, die als Grundlage für jeden Mobilfunkausbau diene. „Das schnelle Internet brauchen wir und besonders die Wirtschaft sowohl über Kabel, als auch über Funk. Nur so können sich die Unternehmen im globalen Markt halten,“ erklärt Karrais. Eine Aussage die bei allen Anwesenden auf Zustimmung stößt. „Wir erhoffen uns, dass unser Mobilfunkprojekt auch den Glasfaserausbau voranbringt. Denn Glasfaser sind die Schienen und Autobahnen dieses Jahrhunderts,“ fügt Landrat Bär an.
Wie das Pilotprojekt letztlich verläuft und welche Anforderungen daraufhin an die Landesregierung gestellt werden können, bleibt bis zum Abschlussbericht Ende Juli des nächsten Jahres offen.

Text zum Bild: v.l.n.r. Stefan Bär, Jörg Sattelmayer, Gabriele Reich-Gutjahr und Daniel Karrais nach dem Treffen im Land