Kürzlich besuchte der FDP-Landtagsabgeordnete Daniel Karrais Bösingen. Man dürfe nicht vergessen, dass neben der Corona-Pandemie auch weitere Herausforderungen auf den Kommunen und Betrieben lägen. Deswegen sei es auch so wichtig, ständig präsent zu sein. Im Austausch mit Bösingens Bürgermeister Johannes Blepp informierte sich Karrais über die Lage. Das Infektionsgeschehen sei in Bösingen, auch jetzt während der zweiten Phase der Pandemie, eher ruhig, berichtete der Schultes. Eine weitere erfreuliche Neuigkeit sei die Summe der Gewerbesteuer, welche aktuell nämlich 1,66 Millionen Euro betrage und somit die eigentliche Planung übertreffe.

Nichtsdestotrotz sei die wirtschaftliche Lage allgemein angespannt, und das nicht erst seit Beginn der Krise, so Blepp. „Es ist nun mal kein Geheimnis, dass viele Betriebe im Kreis Rottweil und so auch in Bösingen am Verbrennungsmotor hängen,“ erklärte der Bürgermeister. Blepp erinnerte an die Uhrenkrise im Schwarzwald-Baar-Kreis. Er hoffe, dass man den Wandel im Arbeitsmarkt jetzt wieder nutze, um die Kraft in die Transformation zu stecken, um gegebenenfalls in einem neuen Gebiet ebenfalls erneut mit Innovation und Tatkraft zu glänzen. „Unsere Region hat kluge Köpfe. Ich hoffe nur schwer, dass keine Abwanderung stattfindet,“ gibt Blepp zu bedenken.

In Sachen Digitalisierung hingegen könne man die Gemeinde Bösingen als echten Vorreiter im Kreis sehen. Lediglich die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung lasse noch zu wünschen übrig, das hänge aber vor allem damit zusammen, dass das Innenministerium hier noch keinen Turbo gezündet habe, so Blepp. Karrais, digitalpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, freut sich, über die Bösinger Innovationskraft. „Digitalisierung findet statt, ob man das gut findet oder nicht. Darum sollten sich die Bürgermeister und Politiker jetzt der Aufgaben annehmen und anfangen diesen Wandel zu gestalten, statt die Augen zu verschließen,“ so Karrais.

Im Anschluss an das konstruktive Gespräch ging es für Karrais und Blepp weiter zur Gebrüder Bantle GmbH & Co. KG. Bereits 1956 wurde das Straßen- und Tiefbauunternehmen gegründet. Georg Bantle betreibe die Firma nun in zweiter Generation und beschäftige aktuell rund 140 Mitarbeiter. Mit der Gründung der Berb GmbH 6 Co. KG ist Georg Bantle zudem im Bereich der Realisierung von Erdbau-, Abbruch- und Entsorgungsprojekten tätig. Die Pandemie habe nur wenig Einfluss auf die Wirtschaftskraft des Unternehmens. Der Betrieb im Straßen- und Tiefbau laufe nach wie vor.

Nichtsdestotrotz habe es das Bauwesen mit anderen, bürokratischeren Herausforderungen zu kämpfen. „Leider habe ich das Gefühl, dass sich das Land Baden-Württemberg bzw. die Landesvorschriften oftmals zu sehr auf die Europäische Union berufen und sich hinter deren Vorgaben verstecken,“ kritisierte Bantle. Hierbei spiele er konkret auf eine Situation an, bei der eine Gebietserweiterung nicht durchführbar war, da für Unsummen an Geld drei Zauneidechsen vergrämt werden mussten und auch der Individualverkehr werde „von oben“ immer mehr verteufelt, dabei sei man im ländlichen Raum auf das Auto angewiesen. Für Bantle ist klar: „Ich würde mir wünschen, dass die Landesregierung hier mit Maß und Ziel vorgeht und auch die wirtschaftliche Seite verhältnismäßig miteinbezieht.“

Bantle käme es so vor, als würde die Politik in und auch ausschließlich für Stuttgart gemacht werden. Dass der ländliche Raum jedoch andere Ansprüche habe, beachte keiner. Dem pflichtete Karrais bei. „Für Karrais sei klar, dass man den ländlichen Raum als Lebens-, Wohn- und Wirtschaftsraum differenziert betrachten muss, denn eine Politik für die Stadt könne dem nicht gerecht werden. „Viele Gesetze werden gemacht, um die Probleme in den Ballungszentren zu lösen, der ländliche Raum bleibt dabei auf der Strecke,“ erklärte der FDP-Landtagsabgeordnete. Vor allem in der Mobilität versteife sich die Landesregierung auf die Großstädte mit gutem ÖPNV. „Das wird hier nicht funktionieren,“ ist Karrais überzeugt.

 

Der Besuch fand bereits vor den verschärften Novemberregelungen statt.