Der Rottweiler Landtagsabgeordnete und FDP-Stadtrat Daniel Karrais hat dem Tierschutzverein Rottweil mit dem angegliederten Tierheim einen Besuch abgestattet. Im Gespräch mit Günther Hermus, dem ersten Vorsitzenden des Tierschutzvereins und Mandy Zumbroich, der Tierheimleiterin, bekam der FDP-Politiker einen Einblick in die Arbeit des Vereins. Das Tierheim beschäftigt aktuell fünf Vollzeitkräfte sowie vier Azubis. Hierauf ist Günther Hermus besonders stolz, denn das Rottweiler Tierheim gehöre hier in der Region zu einem der wenigen Ausbildungsbetriebe mit der Ausbildungsrichtung Tierpfleger für Tierheim und Tierpension.

Das Tierheim im Eckhof wurde bereits 1974 eröffnet und habe einen Durchlauf von 300 bis 400 Tieren pro Jahr. In der heutigen Bauweise hat das Tierheim Kapazitäten für 60 Katzen, 17 Hunde und 15 Kleintiere. Dass das jedoch bei weitem nicht ausreicht und der Platz zu begrenzt ist, wurde bei einem Rundgang deutlich. „Wir sind aktuell in der glücklichen Situation, dass wir dieses Jahr unsere drei Dauerinsassen und einige weitere Hunde vermitteln konnten. Deshalb ist die Mehrheit unserer Hundeboxen aktuell frei,“ so Zumbroich. Anders sehe es bei den Katzen aus, hier sei man voll belegt. Zumbroich erklärt: „Der Standard unserer Katzenboxen entspricht auch nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Zum Glück ist unser Neubau bereits in der Bauphase. Hier werden unsere Katzen in Zukunft angemessen untergebracht.“ Ein großes Problem sei das Fehlen einer verpflichtenden Kastration und Kennzeichnung der Katzen, so Zumbroich und Hermus. „Hierbei handelt es sich um kommunales Recht. Wir würden uns von der Stadt Rottweil und den umliegenden Gemeinden wünschen, dass sich hier etwas tut,“ so der Vorsitzende des Tierschutzvereins. Da die Mehrheit der Katzen, die im Rottweiler Tierheim unterkommen, nicht gekennzeichnet sei, gebe es oftmals wenig Chancen, das Tier zum eigentlichen Besitzer zurück zu bringen. Und auch die fehlende Kastration führe dazu, dass man die Vermehrung von freilaufenden Katzen nicht im Blick habe und es so kein Wunder sei, dass immer mehr Katzen im Tierheim untergebracht und medizinisch versorgt werden müssen.

Neben Hunden und Katzen hat das Rottweiler Tierheim aktuell zwei ganz besondere Bewohner. Erst vor kurzem wurden Hermus und Zumbroich von einem Bürger kontaktiert, der zwei kleine Waschbären gefunden hat. Zumbroich berichtet: „Da man Waschbären nicht mehr auswildern darf, haben wir die beiden Tiere jetzt lebenslänglich bei uns wohnen.“ Das absurde an der Sache, die Tiere müssen kastriert werden, dürfen aber offiziell nicht transportiert werden. Hierfür müsse ein Antrag an das Regierungspräsidium Freiburg gestellt werden. „Die Gesetzeslage ist hier wohl noch nicht besonders ausgereift,“ so Karrais, der naturschutzpolitischer Sprecher der FDP/DVP Landtagsfraktion ist. Er könne sich das nur so erklären, dass es bisher noch zu wenige Fälle mit Waschbären gab und so die nötige Expertise fehle. Karrais versicherte den beiden Tierfreunden dieses Thema mit in den Landtag zu tragen. Das Tierheim habe unterdessen einen sogenannten LEADER-Antrag gestellt. LEADER ist ein Maßnahmenprogramm der Europäischen Union, mit dem in Zusammenarbeit mit dem Land Baden-Württemberg verschiedene Projekte und Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden sollen. Hermus könne sich beispielsweise vorstellen mit einer Infotafel über die Waschbären aufzuklären oder sogar Besuchszeiten für Schülergruppen einzurichten.

Karrais, der selbst Besitzer von zwei Kaninchen ist, wurde wieder einmal mehr deutlich, wie wichtig die Arbeit von Tierheimen und Tierschutzvereinen ist. „Ich finde es bedauerlich, wie viele Personen sich ein Haustier anschaffen, dann nicht ordentlich damit umgehen, da sie sich zu wenig über Aufwand, Pflege und Tierarztkosten informiert haben,“ so der Landtagsabgeordnete. Der Beschluss sich ein Tier zuzulegen müsse gut überlegt sein. „Ich würde mir wünschen, dass man sich mehr Gedanken über die Verantwortung macht, die mit der Anschaffung eines Tieres einhergeht,“ gibt Karrais zu bedenken.

Und dann ein ganz besonderer Moment. Noch während Karrais Besuch wird Mandy Zumbroich gerufen. Bei der trächtigen Hündin Mathilda setzen die Wehen ein. „Das ist das Schöne, wenn man viel im Wahlkreis unterwegs ist. Man bekommt hautnah mit, was so abgeht. Da gehört auch schon mal eine Geburt dazu,“ schließt Karrais mit einem Grinsen ab.