Landesregierung sieht Regionen in der Verantwortung

Im Juni suchten mehrere schwere Unwetter den Kreis Rottweil und die gesamte Region heim. Besonders betroffen waren am 28. Juni die Gemeinden Bösingen, Dunningen, Eschbronn, Epfendorf und Dietingen, sowie am 21. Juni mehrere Ortsteile von Sulz und Zimmern. Dabei kam es auch zu Hagelschäden, woraufhin eine Diskussion um den Einsatz eines Hagelfliegers im Kreis Rottweil entfacht wurde. Dies nahm der Rottweiler FDP-Landtagsabgeordnete Daniel Karrais zum Anlass, um zusammen mit seinen beiden Kollegen aus der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg Frank Bonath (VS) und Niko Reith (TUT) eine Kleine Anfrage an die Landesregierung zu stellen. Darin wollen die drei Politiker wissen, wie es um den Einsatz des Hagelfliegers in der Region bestellt ist und welche Erkenntnisse der Landesregierung über die Wirksamkeit vorliegen.

In der gemeinsamen Antwort des Ministeriums für Ländlichen Raum und des Innenministeriums wird erklärt, dass mehrere Regionen einen Hagelflieger einsetzen. Dabei gebe es durch den Einsatz in der Region Stuttgart Indizien für die Wirksamkeit, heißt es in der Stellungnahme. Nach den Unwettern stellte man sich im Kreis Rottweil die Frage, ob der Einsatz des Hagelfliegers die Schäden hätte verhindern können. Die Landesregierung stellt klar, dass „sich der Nutzen der Hagelabwehr durch Hagelflieger bisher nicht abschließend wissenschaftlich nachweisen ließ. Daher kann aus einer eventuell stärkeren Betroffenheit von Gebieten, in denen kein Hagelflieger eingesetzt wurde, nicht abgeleitet werden, dass der Einsatz Schäden verhindert hätte.“ Das liege vor allem daran, dass man kein Experiment mit zwei identischen Gewitterwolken machen könne, um Unterschiede festzustellen, so das Ministerium.

Aus den Kreisen Tuttlingen und Schwarzwald-Baar seien neben den Landkreisen selbst 3.000 Mitglieder in dem Verein zur Hagelabwehr, darunter viele Privatpersonen und Gemeinden. Aus dem Kreis Rottweil sind lediglich die Gemeinden Deißlingen und Wellendingen Mitglieder in dem Verein.

Der Abgeordnete Daniel Karrais sieht den Einsatz von Silberiodid-Impfungen von Unwetterwolken als sinnvoll an. „Den Nachweis der Wirksamkeit kann man nicht erbringen. Darum geht es völlig Fehl auf einen solchen Nachweis zu warten, bevor man den Hagelflieger einsetzt. Die Indizien aus mehreren Regionen sprechen für sich. Der Landkreis Rottweil sollte einen Beitritt zum Verein zur Hagelabwehr dringend erwägen,“ stellt Karrais fest. Dies sei vor allem vor dem Hintergrund der zu erwartenden zunehmenden Anzahl schwerer Unwetterereignisse notwendig. „Das Klima verändert sich. Darauf muss man sich präventiv einstellen, um Schäden so gering, wie möglich zu halten. Hier haben der Landkreis und die Kommunen die Pflicht Vorsorge zu betreiben. Wenn dann noch Private mitmachen, verteilt sich die Last auf mehrere Schultern, zu Gunsten aller,“ so Karrais.

Das Land wolle indes nicht in Hagelflieger investieren. „Über den Einsatz soll weiterhin regional entschieden werden,“ heißt es in der Antwort. Der Verein zur Hagelabwehr im Kreis Schwarzwald-Baar und Tuttlingen stellt laut Ministerium klar, dass mit den derzeitigen Ressourcen der Kreis Rottweil nicht abgedeckt werden könne. Es gebe also Finanzierungsbedarf, stellt Karrais fest.