In einem Schreiben haben sich rund 135 Edeka Märkte an die Landtagsabgeordneten in Baden-Württemberg gewandt. Anlass des Schreibens war die tägliche Arbeit mit der Mund-Nasenbedeckung, was für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ansteigenden Temperaturen „extrem anstrengend“ sei, so die 34 erstunterzeichnenden Unternehmer. Auch Daniel Karrais, FDP-Landtagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Rottweil, erhielt das Schreiben und nahm es zum Anlass sich mit Henry Berger, Inhaber des Edeka Marktes in Dunningen, über die aktuellen Bedingungen auszutauschen.

Berger führte Karrais durch seinen Markt und erklärte, zu welchen Problem das Tragen der Masken führe. Berger erklärte: „Es geht uns Marktbetreibern nicht darum, dass wir die Masken komplett abschaffen wollen. Ich denke wir alle haben verstanden, dass wir die Masken aktuell brauchen, besonders in Bereichen, in denen wir die Abstandsregeln zeitweise nicht einhalten können. Ohne unsere Mitarbeiter im Markt würde es nicht funktionieren, unsere Kunden täglich zu versorgen. Die Debatte richtet sich nicht gegen die Maske, sondern soll zu einem erträglichen Zwischenweg führen, um es unseren Mitarbeitern zu ermöglichen bei der hohen Belastung und steigenden Temperaturen keine weiteren langfristigen Schäden zu riskieren.“

Nichtsdestotrotz sei es an der Zeit, dass man über alternative Möglichkeiten, wie beispielsweise Face Shields, nachdenke. In anderen Bundesländern, wie zum Beispiel Hamburg oder Hessen, seien Face Shields bereits gang und gäbe. FDP-Landtagsabgeordneter Daniel Karrais pflichtete dem bei. Es sollte möglichst einheitliche Regeln geben. Karrais versprach beim Sozialministerium nachzuhaken. Man könne einen Kompromiss finden, zum Beispiel, indem im direkten Gespräch mit Kunden eine Maske zu tragen sei, sonst aber ein Face Shield ausreiche, meinte Karrais.

Inhaber Henry Berger beschäftigt in seinem Edeka in Dunningen rund 60 Arbeitnehmer. Pro Jahr werden zudem zwei bis drei Lehrlinge ausgebildet.

Bergers Credo: „Nachhaltig, regional, arbeitnehmerfreundlich.“ So achte man bei Edeka Berger immer darauf, die Ware möglichst regional zu beziehen – sei es der Apfel aus dem Bodenseeraum oder das Rindfleisch aus Schiltach. Als zweites Standbein betreibt Familie Berger einen Catering-Service, mit dem Unternehmen aus dem Kreis beliefert werden. „Von Obst über belegte Brötchen bis hin zu festen Mahlzeiten liefern wir frische Lebensmittel an die Kantinen örtlicher Unternehmen,“ erklärte Berger.

Karrais, der digitalpolitischer Sprecher der FDP/DVP-Landtagsfraktion ist, erkundigte sich zudem nach den Möglichkeiten der Digitalisierung des Marktes zum Beispiel mit digitalen Preisschildern. Berger erläuterte: „Digitale Preisschilder hätten bei der Mehrwertsteuersenkung den Vorteil gehabt, dass man die ausgewiesenen Preise sozusagen per Knopfdruck anpassen kann. Auch sonst ändern sich häufig die Preise mehrerer hundert Produkte. Nichtsdestotrotz muss das Ganze für uns aber auch wirtschaftlich sein und das ist es aktuell leider noch nicht.“ Die Amortisierungszeit dauere schlichtweg zu lange, führte der Inhaber weiter aus. „Das ist leider noch oftmals das Problem,“ so der Digitalisierungsexperte. Hier gelte es aber dringend nachzusteuern. Karrais wolle die Digitalprämie des Landes deutlich ausbauen, um es für die Unternehmen leichter zu machen.

Karrais kritisierte jedoch die befristete Mehrwertsteuersenkung generell: „Da werden Milliarden verschwendet, ohne merkliche Kaufanreize zu setzen. Die Händler bleiben auf den Kosten für Umetikettierung und Kassenumstellung sitzen.“ Berger bestätigte, dass seit der Senkung kein Umsatzanstieg zu verzeichnen sei. Allerdings sei für den Lebensmittelhandel die Lage ohnehin gut gewesen. „Als die Leute nicht in Kantinen oder Gasthäusern essen konnten, haben sie natürlich mehr bei uns gekauft,“ erklärt der Händler.

Karrais zeigte sich insgesamt sichtlich begeistert von dem Konzept des Kaufmanns: „Ich finde es toll, wenn Unternehmer die Themen Nachhaltigkeit und Regionalität so stark verfolgen und auch mit so einer Passion dahinterstehen.“ Die letzten Wochen und Monaten haben gezeigt, wie wichtig es sei, dass man auf mehr achte, als auf den Preis, nämlich auf das woher, so Karrais. Für ihn sei eines klar: „Gesundes Essen geht mit einer gesunden Umwelt und vielmehr mit gesunden Betrieben einher.“

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