Die Corona-Pandemie hat auch den Arbeitsmarkt im Kreis verändert. Dies nahm der FDP-Landtagsabgeordnete Daniel Karrais zum Anlass der Leiterin der Arbeitsagentur, Sylvia Scholz, einen Besuch abzustatten. Scholz leitet die Arbeitsagentur nunmehr seit fast einem Jahr. Bereits davor konnte Scholz knapp zehn Jahre Führungserfahrungen in der Bundesagentur sammeln.

Die Arbeitslosenquote für den Monat September liege im Bezirk Rottweil – Villingen-Schwenningen bei 4,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sei das ein Anstieg um 63,2 Prozent, so die Leiterin der Arbeitsagentur. Rechne man das in absolute Zahlen um, gebe es im Bezirk aktuell rund 13.000 Arbeitslose. Hierbei werde die Kurzarbeit nicht mit einbezogen. „Der Arbeitsmarkt ist aktuell wenig aufnahmefähig. Das ist ein großes Problem,“ so Scholz. So sei die Anzahl an gemeldeten Arbeitsstellen im Vergleich zum Vorjahr um 34,4 Prozent gesunken. Hinzu komme, dass die Region, und damit auch der Kreis Rottweil, als verlängerte Werkbank der Automobilindustrie gesehen werden kann, in der insgesamt ein großer struktureller Wandel stattfinde.

Ein Wandel fand auch in der Arbeitsagentur und in den Jobcentern statt. Durch den Lockdown war kein persönlicher Kundenkontakt vor Ort möglich. „Wir haben uns dadurch geholfen, dass wir in allen Bereichen sehr viel mit Arbeitnehmer- und Arbeitgeberkunden telefoniert haben,“ so Scholz. Die Leiterin der Agentur für Arbeit erklärt weiter: „Kunden benötigten gerade in dieser Zeit zu vielfältigen Themen Beratungen. Seit Anfang Oktober sind wir nun einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Normalität gegangen.“ Terminierte Beratungen seien jetzt nicht nur in den Servicebereichen, sondern wieder in den Büros der Beratungsfachkräfte möglich. Die betroffenen Büros wurden alle, entsprechend der Hygienevorschriften, unter anderem mit Spuckschutz ausgestattet. „Der Schutz der Mitarbeiter und Kunden hat allerhöchste Priorität,“ erklärte Scholz. Für Scholz ist die persönlichen Beratung vor Ort ein Service, den man auch bei fortschreitender Digitalisierung nicht so einfach aufgeben könne. Sie erklärt: „Personen, die bei uns zur Beratung kommen, befinden sich häufig in unsicheren Lebenslagen. Es gibt Situationen und komplexe Anliegen, in denen ein zwei Augengespräch unabdingbar ist, zum Beispiel, wenn es um die Frage geht, in welche Richtung eine erforderliche Qualifizierung gehen könnte. Da geraten die Telefonie, aber auch die Videokommunikation rasch an ihre Grenzen.“

Die kommenden Monate bergen viele Herausforderungen für den Arbeitsmarkt. Der Schlüssel zum Erfolg heiße für die Arbeitnehmer jetzt Qualifizierung, so Scholz. „Lebenslange Lernen war schon immer wichtig, aber in der jetzigen Situation ist es faktisch ein Muss, um auf dem sich ändernden Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben,“ erklärte die Leiterin der Arbeitsagentur. Hierfür sollten Arbeitgeber und Beschäftigte beispielsweise auch die Zeit der Kurzarbeit nutzen. Dass dem gesamten Arbeitsmarkt eine Transformation bevorstehe, so Scholz, das wisse man. Nun müsse man dieses Wissen nutzen, um die Arbeitnehmer bestmöglich vorzubereiten.

Auch Daniel Karrais, Rottweiler Landtagsabgeordnete, unterstütze diesen Vorstoß. „Nicht nur die Unternehmen, auch die Mitarbeiter müssen mit der Zeit gehen und sich fortlaufend weiterentwickeln. Sonst läuft man Gefahr, dass der als sicher geglaubte Arbeitsplatz bald nicht mehr vorhanden ist,“ so der FDP-Politiker. Karrais, der digitalpolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, sieht hier die Digitalisierung als große Chance. Er erklärt: „Noch nie war es so einfach, sich von zu Hause aus vor dem Laptop oder dem Tablet weiterzubilden. Das ist definitiv etwas, das uns die Corona-Pandemie deutlich gezeigt hat.“ Diese neue Form der Weiterbildung müsse man nun dafür nutzen, um sich selbst zukunftsfest und bereits jetzt zu einer Fachkraft von morgen zu machen, so Karrais. Parallel müsse die Politik und die Wirtschaft die Weichen stellen, um die Transformation in der Automobilindustrie so zu gestalten, dass möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben. „Der Fokus auf das E-Auto schadet der Arbeitsmarktsituation vor Ort. Die Produktion von Verbrennerfahrzeugen geht jedoch zurück. Als wichtigen Bestandteil der Wirtschaft der Zukunft, sehe ich die Wasserstofftechnologie. Hier gibt es mehr Arbeitsplatzpotential als bei den E-Autos,“ erklärte der Abgeordnete. Dafür brauche man aber auch die Qualifikationen der Leute, greift er die Forderung von Scholz auf.