Daniel Karrais, der digitalpolitische Sprecher der FDP/DVP Landtagsfraktion, besuchte den Geschäftsführer der Sozialstation in Oberndorf, Andreas Bronner, um sich über den Wandel und die digitale Transformation in der Pflege zu unterhalten.

Die Sozialstation Raum Oberndorf ist bereits heute komplett digitalisiert. Damit kann sich der größte ambulante Pflegedienst im Landkreis Rottweil durchaus schmücken, denn so weit wie die Sozialstation in Oberndorf sei kein vergleichbares Unternehmen im Kreis, sagt Geschäftsführer Bronner selbstbewusst. 800 Klienten, davon 400 in der Pflege, werden von den rund 100 Mitarbeitern betreut. Mit Andreas Bronner hat die Sozialstation einen Geschäftsführer, der die Dinge angeht und vor allem früh erkannt hat, welchen Mehrwert die Digitalisierung mit sich bringe.

Dass der ambulante Pflegedienst mit seiner digitalen und agilen Arbeitsweise auch bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gut ankomme, spiegle sich darin wieder, dass es zum einen keine offenen Stellen und zum anderen aber auch immer mehr Bewerbungen gebe, erklärt Bronner. Eines der größten Probleme im Bereich der ambulanten Pflege sei, so der Geschäftsführer, dass die meisten Unternehmen immer noch die gleiche Arbeitsweise an den Tag legen, wie schon vor 20 Jahren. „Der Dienstplan an der Wand mit Einsteckkarten und ausgedruckten Patienteninformationen ist schlichtweg nicht mehr zeitgemäß,“ verdeutlicht Bronner.

In der Sozialstation in Oberndorf finde hingegen eine komplett mobile Datenverarbeitung statt. Hierfür bekomme jeder Arbeitnehmer die Touren- und Dienstpläne direkt auf das Diensthandy. Durch die smarte Arbeitsweise können Änderung im Dienstplan den jeweiligen Pflegern schnell und einfach mitgeteilt werden. Bronner ergänzt: „Zum einen geht es per App super schnell und zum anderen hat man dann auch nicht das Problem, dass die entsprechende Akte nur analog in der Sozialstation vorliegt, wenn man bei jemandem einspringen muss. Absagen und Terminverschiebungen können sofort den Mitarbeitern unterwegs mitgeteilt werden. Fahrten, die umsonst stattfanden, weil Klienten kurzfristig absagen, gibt es jetzt kaum noch.“

Durch gute Vorausplanung entstehe ein verlässlicher Dienstplan, was wiederum auch zu einer erhöhten Zufriedenheit der Pflegekräfte führe, da die Zeit am Menschen wieder mehr in den Fokus rücke und die Koordination der Termine einfacher sei.

Ein großes Problem, das Andreas Bronner bei der Digitalisierung im Pflegebereich sieht, sei, dass es keine gesetzlichen Verpflichtungen dafür gebe. „Eine Umstellung bedeutet immer Mehraufwand. Zum Glück bin ich was das Thema IT angeht selber sehr fit und konnte einen Großteil selbst organisieren und regeln,“ so der Geschäftsführer der Sozialstation. Auch er wisse, dass es in anderen Einrichtungen anders aussehe und man professionelle Unterstützung benötige, die oftmals jedoch sehr kostspielig sei. Bronner erklärt: „Um die Digitalisierung wirklich voranzutreiben und auch die Pflegedienstleister in gewisser Weise zu unterstützen sollte es fertige Pakete geben, die man direkt bestellen kann.“ Diese Pakete sollen dann bereits Serverlösungen, Softwarepakete und alles, was sonst noch so benötigt wird, beinhalten, so die Idee Bronners. Nichtsdestotrotz sei es noch ein weiter Weg, bis man dahin komme. „Selbstverständlich ist es toll, dass wir bereits so weit sind was die Digitalisierung unserer Einrichtung angeht. Leider muss ich trotzdem noch an jedem Monatsende, die Arbeitszeitnachweise meiner Mitarbeiter ausdrucken und unterschreiben lassen, um sie dann eingescannt wieder weiterzuschicken,“ berichtet Bronner kopfschüttelnd. Solange es diese Medienbrüche weiterhin gebe, könne die Digitalisierung nicht schnell vorangehen.

Bei Daniel Karrais, dem Digitalisierungsexperten der FDP/DVP Fraktion, rennt Bronner offene Türen ein. „Leider haben immer noch viel zu Wenige in den Einrichtungen und Verbänden verstanden, dass digitale Arbeitsweisen einen echten Mehrwert zu generieren,“ so Karrais. Die Sozialstation Raum Oberndorf sei im Bereich der Pflege doch das beste Beispiel dafür, dass durch eine digitale Transformation die Zeit am Menschen vergrößert werden könne, verdeutlicht der Digitalpolitiker. Er erklärt: „Gerade für junge Menschen ist es immer wichtiger, dass Arbeitgeber mit der Zeit gehen. Viele Einrichtungen werden über kurz oder lang nur schwierig junge Menschen begeistern können, wenn ihre Arbeitsweise der von vor 20 Jahren entspricht.“ Für Karrais ist deshalb klar, dass es ein eigenständiges Digitalisierungsministerium benötige. Bisher sei jedes Ministerium in seinem Bereich für die Digitalisierung zuständig. „Der Flickenteppich muss ein Ende haben. Die Digitalisierung muss zentral angegangen werden, um die Rechtslage endlich an die Möglichkeiten anzupassen und eine professionelle Beratung zu garantieren,“ schließt der Rottweiler Landtagsabgeordnete ab.

 

Auf dem Bild zu sehen v.l.n.r.: Daniel Karrais MdL, Andreas Bronner, Geschäftsführer der Sozialstation Oberndorf