In den vergangenen Tagen und Wochen wurde viel über die Friseursalons in Baden-Württemberg und in ganz Deutschland gesprochen. Während Friseure am 1. März ihren Betrieb wiederaufnehmen dürfen, sieht es für alle weiteren körpernahen Dienstleistungen schlecht aus. Eine Branche, die in der gesamten Diskussion bisher eher selten zur Sprache kam, sind die Tätowierer. Dies nahm der FDP-Landtagsabgeordnete Daniel Karrais zum Anlass, um sich mit Timo Schröder, dem Inhaber des Schramberger Tattoostudios ColorChaos auszutauschen.

Im Vergleich zu Friseursalons, in denen der Durchlauf relativ hoch sei, bediene Schröder maximal drei Kunden am Tag. „Nachdem ersten Lockdown haben wir die Konsequenz gezogen, dass Kunden ohne Begleitperson erscheinen müssen,“ führt der Tätowierer aus. Sein erstes Studio eröffnete Schröder bereits 2014. 2017 dann der Neustart. Der Betrieb laufe gut, bis zu den Schließungen. „Diese Perspektivlosigkeit macht einen auf Dauer wirklich fertig. Wenn ich dann sehe, dass Friseure nun öffnen dürfen, über uns aber nicht mal gesprochen wird, dann weiß ich nicht mehr was ich noch sagen soll,“ so der Schramberger nachdenklich. Dabei gönne er den Friseuren die Öffnungen von ganzem Herzen, dies sei keine Frage. Für Schröder sei es demnach auch eine Option zu sagen, dass nur Hüft-abwärts tätowiert werden darf, sodass der größtmögliche Abstand gewährt wird.

Der FDP-Landtagsabgeordnete pflichtete Schröder bei: „Selbstverständlich freue ich mich, dass die Friseure wieder öffnen dürfen. Dafür haben meine Fraktion und ich uns bereits seit einer Weile eingesetzt.“ Dass weitere körpernahe Dienstleistungen jedoch so vernachlässigt werden, das stößt Karrais sauer auf. „Die FDP im Bund hat einen Sieben-Stufen-Plan entwickelt, bei dem bei einem stabilen sieben Tage Inzidenzwert von weniger als 100 körpernahe Dienstleistungen wiederöffnen dürfen,“ so Karrais. Hierzu gehören ganz klar auch die Tattoostudios. Es gebe mehr Tattoostudios als man denke. „Man muss auch immer überlegen, dass hieran Existenzen hängen,“ gibt Karrais zu bedenken. Er habe das Gefühl, dass dieses Bewusstsein dem ein oder anderen Spitzenpolitiker abhandengekommen sei. „Tattoostudios haben bereits vor der Corona-Pandemie hohe Hygienestandards gehabt. Diese wurden nun in stringente Konzepte umgesetzt. Geben wir doch endlich allen Branchen eine transparente Öffnungsperspektive,“ so Karrais abschließend.