Der FDP-Landtagsabgeordnete Daniel Karrais zeigte sich enttäuscht von den neusten Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz: „Endlich gibt es so etwas Ähnliches, wie einen Stufenplan, der klarmacht, wann welche Regelungen gelten sollen. Trotzdem sind die Schritte viel zu zögerlich und wie es ab Ende März wirklich weitergeht ist meiner Meinung nach völlig unklar,“ so Karrais. Zwar könnten erste Öffnungsschritte als Lichtblick gesehen werden, aus Karrais Sicht sei dies jedoch nicht genug.

Besonders für die Gastronomie findet Karrais die Beschlüsse völlig unbefriedigend: „Für die Innengastronomie sowie für Hotels wird nichts gelockert und nichts in Aussicht gestellt, außer, dass darüber bei der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am 22. März gesprochen werden soll.“ Ganze Branchen einfach auszuklammern, das findet Karrais äußerst bedenklich. „Gerade mal die Außengastronomie erhält eine Perspektive, welche naturgemäß im März eine sehr wacklige ist. Ansonsten gibt es nur salbungsvolle Worte. Das ist ein Lockdown mit Zuckerguss,“ so der Rottweiler Abgeordnete.

Anstatt eine stringente und sinnvolle Teststrategie auszuarbeiten, preise sich die Regierung mit der Einführung regelmäßiger Schnelltests. „Dieses Vorgehen ist prinzipiell zu begrüßen, doch auch die Selbsttests, angelehnt an das österreichische Modell, sollten meiner Meinung nach noch viel stärker mit einbezogen werden,“ gab Karrais zu bedenken. Der Rottweiler Abgeordnete zieht mittlerweile auch die Aussagekraft der Inzidenzen in Zweifel: „Wir sehen an den Diskussionen um die Auswertung von Tests bei uns in der Region, wie irreführend die Inzidenzen sein können. Wenige stark eingegrenzte Infektionsgeschehen treiben die Inzidenz für den gesamten Landkreis in die Höhe. Dabei hat das Pflegeheim in Sulz nur wenig mit der Wirtschaft in Schramberg zu tun. Daher befürchte ich, dass wir die Inzidenz von 50, die für wichtige Lockerungen erforderlich ist, erstmal nicht erreichen werden.“ Man müsse viel mehr auch die Impfquote unter den Infizierten berücksichtigen, da die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs bei Geimpften deutlich niedriger sei.

Für den Rottweiler Abgeordneten steht fest: „Die MPK hat uns hier einen Happen hingeworfen, traut sich aber nicht weitere Schritte zu gehen.“ Die Stimmung in der Bevölkerung kippe zunehmend, das stellte Karrais auch bei einem Infostand am Morgen nach der Entscheidung in Tennenbronn fest. „Jetzt einfach hier ein bisschen und da ein bisschen zu öffnen, schafft kein Vertrauen in das Handeln der Regierung,“ ärgerte sich Karrais. Doch auch Zuhause bleiben sei auf Dauer nicht die Lösung des Problems, wie man an den Zahlen sehe. Für Karrais sei dies zudem keine Strategie, sondern eine Art des Verdrängens: „Welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schäden aus dieser Pseudo-Strategie heraus entstehen, das lässt man schön unter den Tisch fallen. Zur Frage der dringend benötigten Hilfen gibt es weiter nichts Neues.“ Karrais fordere weiter stringente Öffnungskonzepte, die sich an der Lebenswirklichkeit orientierten. Dafür wolle er sich auch in der Sondersitzung im Landtag am kommenden Freitag einsetzen.