„Ab 15.06.2020 sollen Busse wieder rollen“ dazu informiert sich der FDP-Landtagsabgeordnete Daniel Karrais bei den Busunternehmern der Region

 

Kreis Rottweil. Für die gebeutelte Reisebusbranche gab es in den letzten Wochen immerhin zwei positive Nachrichten. Zum einen wurde Mitte Mai das Corona Soforthilfepaket II angekündigt. Dieses beinhaltet 40 Millionen Euro, die explizit für den Tourismus- und Ausflugverkehr, also für Busunternehmen, verwendet werden sollen. Zum anderen dürfen Reisebusunternehmen seit Montag (ab dem 15. Juni) ihren Betrieb wiederaufnehmen. Ob die Nachfrage allerdings noch die gleiche sein wird, wie vor der Krise, daran zweifeln auch die Inhaber der Reisebusunternehmen im Kreis, wie der Landtagsabgeordnete Daniel Karrais (FDP) bei einem Austausch zu hören bekam. Im Gespräch mit den Unternehmen Reisezentrum Hauser, Müller Reisen, Echle Reisen, Petrolli Reisen und Stoll Reisen sowie Vertretern der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg zeigte sich die Not der Unternehmen.

 

Gastgeber Axel Keller begrüßte die Anwesenden im Reisezentrum Hauser und berichtete über die existenzbedrohende Situation. Durch die Reisewarnungen und die damit einhergehenden Absagen von Reisen seien die Unternehmen massiv mit Stornierungen und Umbuchungen konfrontiert worden. Während andere Betriebe Kurzarbeit anmelden konnten, hätten die Reise- und Busunternehmen jede Arbeitskraft, um alle Anliegen bearbeiten zu können, benötigt. „Die laufenden Kosten blieben bestehen und waren durch die fehlenden Einnahmen kaum zu decken. Zudem standen in unseren Garagen Millionen rum“, macht Keller klar.

 

„40 Mio. Euro Soforthilfe für Reisebusunternehmen klingen erstmal hilfreich, doch keiner weiß, wie die Anträge gestellt werden können und wie schnell die Hilfe dann kommt,“ spielt Jochen Stoll auf das Sonderhilfspaket an, das bereits Ende Mai angekündigt worden sei. Insgesamt fehlten den Unternehmern unisono Wertschätzung und Aufklärung über die getroffenen Maßnahmen. Alle Unternehmen hätten Hygienekonzepte erstellt, nur sei es völlig unübersichtlich, wenn in anderen Bundesländern andere Verordnungen gälten und dadurch ein Reisen über Bundeslandgrenzen hinweg erschwert werde. „Wir brauchen vereinheitlichte Reiseregeln in Deutschland und besser noch in der EU. Wir bleiben ja nicht mit unseren Bussen in Baden-Württemberg, sondern fahren meistens längere Strecken,“ gab Bernhard Müller zu bedenken.

 

Landespolitiker Karrais bemängelte ein Hin- und her der Landesregierung bei den Hilfen. „Gerade im Touristikbereich werden die Verantwortungen zwischen den Ministerien weitergereicht und immer verstreicht wertvolle Zeit. Dann wird wieder gewartet, bis der Bund ein Programm aufsetzt, das vielleicht nie kommt. Ich wünsche mir da ein entschlosseneres Vorgehen der Landesregierung,“ sagte der Rottweiler Abgeordnete. Es gehe schließlich auch um die Sicherung von künftigen Steuereinnahmen und Arbeitsplätzen, ist Karrais überzeugt.

 

Die Auftragsbücher der Unternehmen seien Anfang des Jahres gut gefüllt gewesen doch derzeit kämen kaum Buchungen und Reservierungen rein. Die Kundschaft sei verunsichert, wie Vorname Norbert Echle berichtet. „Die Leute wollen reisen, aber viele können sich beispielsweise eine sechsstündige Busfahrt mit Mund-Nasen-Schutz nicht vorstellen,“ so Echle. „Wir sind mit strengen Verordnungen in die Corona-Pandemie rein und kommen nur mit Vertrauen und Vorsicht wieder heraus“, so sein Bruder Gerhard Echle. Dabei, so ist man sich in der Runde einig, müsse man die Pflicht zum Tragen einer Maske im Bus hinterfragen, da man feste Sitzplätze habe und die Klimaanlage die Luft jede Minute vollständig austausche. Stefan Beck fasst zusammen: „Auch, wenn es am Montag wieder los geht, richtig lohnend werden die Fahrten erst später. Es bucht ja kaum einer eine Reise, die schon am Tag drauf los geht.“

 

Für Karrais steht fest: „Die Hilfen müssen endlich definiert und die Regeln überarbeitet werden. Die Hygienekonzepte schützen die Reisenden, da kann man nur dazu aufrufen, auch Busreisen wieder zu buchen.“ Die Busunternehmer indes rechnen mit einer schlechten Saison, sodass eine Erholung noch dauern könne.