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Der FDP-Landtagsabgeordnete Daniel Karrais tauschte sich mit der Innung des Kfz-Gewerbes Tuttlingen-Rottweil über Auswirkungen der Fahrverbote und des Dieselskandals aus.

Die Debatte um Diesel und Fahrverbote gab dem FDP-Landtagsabgeordneten Daniel Karrais Anlass, ins Gespräch mit der Innung des Kfz-Gewerbes Tuttlingen-Rottweil zu gehen. Besonderes Interesse zeigte Karrais an den Auswirkungen der Fahrverbote in Stuttgart auf die heimischen Werkstätten. Obermeister Bernd Klaiber vom gleichnamigen Autohaus und der Innungs-Geschäftsführer Kurt Scherfer standen Rede und Antwort.

Derzeit sind 160 Betriebe in der Innung organisiert. Über 50 Prozent der Kfz-Betriebe fungieren gleichzeitig als Vertrags-Autohaus mit einer oder mehreren Automarken.

Im Gespräch ging es um die Dieselmanipulation und die Verunsicherung des Verbrauchers, die durch die möglichen Fahrverbote ausgelöst wurden. „Natürlich merken wir das beim Verkauf”, sagte Klaiber. Bei den Neuwagen habe das Autohaus deswegen nur noch Euro-6-Diesel mit im Angebot. Weiterhin führte er aus, dass bei den Nutzfahrzeugen kein Kunde am Diesel vorbeikäme. Hier seien die Verkaufszahlen konstant. „Insgesamt stehen 90 gebrauchte Dieselfahrzeuge auf dem Hof, wovon 30 der Euro Klasse 5 entsprechen. Es ist natürlich schwierig, in der derzeitigen Situation Euro-5-Diesel zu verkaufen”, meinte Klaiber. Darum ginge auch der Großteil aller älteren Diesel in den Export. „Die kalte Enteignung zeigt sich hier besonders. Wer einen Diesel gekauft hat, um das Klima zu schonen, wird jetzt durch Fahrverbote gestraft. Der Umwelt bringt es nichts, denn der Diesel fährt dann im Ausland weiter”, ärgert sich Karrais über diesen Umstand.

Von einer blauen Plakette hält Kurt Scherfer nichts. „Die Plaketten lösen keine Probleme. Wichtig ist, dass die Politik eine Entscheidung trifft, was mit den Dieselfahrzeugen der Euroklasse 5 passieren soll. Die Betriebe brauchen Klarheit”, forderte Kurt Scherfer.

Neben den Fahrverboten habe auch der Dieselskandal den Ruf der Autobauer verschlechtert, was bei den Vertragshändlern zu spüren sei. „Wir als Händler müssen die Zeche bezahlen. Bei einem Neuwagenverkauf verdienen wir so gut wie nichts mehr. Vor allem Leasingrückläufer mit Euro 5 Dieselmotoren sind weniger wert als ursprünglich geplant. Diesen Wertverlust bezahlt uns Händlern niemand“, stellt Kfz-Meister und Händler Klaiber verärgert fest.

Die für alle vom Skandal betroffenen Euro-5-Dieselfahrer verpflichtenden Softwareupdates sieht Klaiber kritisch. Zwar stimmten nun die Abgasgrenzwerte, die Leistung sei aber nicht mehr so abrufbar wie zuvor. „Ich bin davon überzeugt, dass wir Hardwarenachrüstungen brauchen, und die sollen die Hersteller bezahlen, die bei den Abgasmessungen gemogelt haben. Es kann nicht sein, dass die zugesicherten Fahreigenschaften jetzt geändert werden und der Kunde die Verfehlung des Autobauers ausbaden muss, inklusive Wertverlust des Fahrzeugs”, ist Karrais überzeugt.

Die einseitige politische Fokussierung auf Elektroautos treibe Obermeister Klaiber und die Branche ebenfalls um. Der auf Kraftfahrzeuge spezialisierte Maschinenbauingenieur Karrais, der sich früher auch mit E-Mobilität beschäftigt hat, weiß dazu: „Das Elektroauto mag in der Stadt sehr gut sein, für Langstrecken und Lastverkehr ist es weniger geeignet. Wir brauchen einen Mix der Technologien. Es gibt viele andere Möglichkeiten, wie die Brennstoffzelle oder alternative Kraftstoffe wie E-Fuels. Technologieoffenheit muss das Credo sein.“ Man müsse darauf achten, dass man den Automobilstandort durch politische Fokussierungen nicht selbst vernichte. „Baden-Württemberg darf kein Detroit 2.0 werden!” formuliert Karrais eine klare Prämisse der FDP und seiner Arbeit.