Gemeinsam mit dem FDP-Landesvorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, besuchte der Rottweiler Landtagsabgeordnete Daniel Karrais die Schweizer Electronic AG und dessen Vorstände Nicolas Schweizer und Marc Bunz. Ebenfalls mit dabei, der Präsident des Wirtschaftsverbands Industrieller Unternehmen Baden (WVIB), Thomas Burger und WVIB-Hauptgeschäftsführer Christoph Münzer.

Die Firma, die seit den 90er Jahren als Aktiengesellschaft firmiert, besteht bereits seit 170 Jahren. Von den damals produzierten Zifferblättern im Umfeld der Uhrenstraße wuchs das Unternehmen zu einem der wenigen verbliebenen Betriebe mit Kernkompetenz in der Herstellung von Leiterplatten. Auf dem Sulgen beschäftige das Unternehmen rund 550 Mitarbeiter, weitere Standorte befinden sich in Singapur, Suzhou, und Jintan im asiatischen Raum.

Im Gespräch stellten die Wirtschaftsvertreter ihre Sicht auf die Rahmenbedingungen für Mittelständler mit Stammsitz in Deutschland dar. Das war auch der Zweck, weshalb die FDP-Politiker Theurer und Karrais das Gespräch suchten. „Mir ist es wichtig aus der Berliner Blase rauszukommen. Vor Ort bekommt man live mit was los ist und kann was daraus lernen,“ erklärte Michael Theurer, der einst vom Handelsblatt als Mr. Mittelstand bezeichnet wurde. Damit hat Theurer denselben Politikansatz, wie Daniel Karrais, der den Termin initiiert hatte. „Nur, wenn man wirklich vor Ort ist, bekommt man auch mit, was die Politik so alles anrichtet und wo etwas getan werden muss,“ stößt der Landtagsabgeordnete in dasselbe Horn, wie sein Landesvorsitzender.

Neben den aktuellen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie brenne Schweizer sowie dem Finanzvorstand Marc Bunz jedoch etwas Anderes auf der Seele. In Europa gebe es immer weniger Leiterplattenhersteller. Einen Großteil der Anbieter ziehe es mittlerweile in den asiatischen Raum. „Für uns wird es dadurch immer schwerer geeignete Zulieferer zu finden, sowohl in Deutschland, als auch in Europa,“ gibt Schweizer zu bedenken. Die deutsche und europäische Politik mache es dabei einem Unternehmen nicht einfach, wettbewerbsfähig zu bleiben, ergänzten die WVIB-Vertreter. Viele Regularien bremsten zum Beispiel Neubauten aus und trieben die Kosten für die Produktion in die Höhe. Theurer, der im Bund vor allem für das Thema Wirtschaft zuständig ist, hält nichts von einer einseitigen Abhängigkeit von China. Daniel Karrais, der Mitglied im Europaausschuss ist, verwies auf die Wichtigkeit von Handelsabkommen für die heimische Wirtschaft. „Die anderen Regionen schlafen nicht. Ende letzten Jahres haben asiatische Staaten mit Australien und Neuseeland unter Federführung Chinas einen großen Wirtschaftsraum geschaffen. Da müssen wir Europäer dringend nachlegen,“ ist Karrais überzeugt.

Der Vorstandsvorsitzende Schweizer bemerkte, dass man in China nicht aus Low-Cost-Gründen produziere, sondern mit denselben Standards, wie im Stammwerk auf dem Sulgen. In China seien viele Regeln, wie beim Brandschutz vergleichbar mit den Deutschen Standards. Die Behörden seien jedoch deutlich pragmatischer, sodass man viel schneller bauen und produzieren könne. Theurer habe dies schon öfters gehört und nannte die Schweiz als Beispiel dafür, dass man schnelle Verwaltungsentscheidungen auch in einem demokratischen System herbeiführen könne.

Bei einer Werksführung bekamen die Politiker vertiefte Einblicke in die Prozesse und die Philosophie des Schramberger Unternehmens. Auch die vielseitigen Problematiken in Bezug auf die Corona-bedingten Finanzhilfen kamen zur Sprache. „Die zögerlichen Auszahlungen der Entschädigungszahlungen gefährden massiv Arbeitsplätze. Wenn hier nicht mit Weitblick gehandelt wird, ist die Gefahr groß, dass weite Teile des Mittelstands hinweggefegt werden“ kritisierte Theurer. Es sei endlich an der Zeit klare Perspektiven zu schaffen. Aus diesem Grund habe die FDP im Bund seinen Sieben-Stufen-Plan entwickelt, welcher beispielsweise regionale Öffnungen und Wenn-Dann-Szenarien beinhaltet.

Der Rottweiler Landtagsabgeordnete Daniel Karrais pflichtete Theurer bei. „Wir befinden uns seit fast einem Jahr in einer Pandemie. Mir ist schon klar, dass man den Bürgern keine leeren Versprechungen machen darf. Aber genau dafür soll ja ein Stufenplan genutzt werden. Klare Perspektiven in bestimmten Szenarien basierend auf der Inzidenz und den Auslastungen in den Krankenhäusern sowie weiterer Faktoren wären wichtig. Die plötzliche Abkehr von der monatelang gepredigten 50er Inzidenz, ist ein Glaubwürdigkeitsverlust.“