Der Landtagsabgeordnete und digitalpolitische Sprecher der FDP Landtagsfraktion, Daniel Karrais tauschte sich online zu dem Thema Digitale Mündigkeit aus. Mit dabei waren Dr. Gerold Bläse, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Bläse und Kollegen, die sich unter anderem mit dem Thema IT-Sicherheitsmanagement auseinandersetzt sowie Marcel Hoffmann, Inhaber der Firma AAntiSpy, einem echten Fachmann in Sachen Datenschutz. Einen Einblick in die Digitalisierung der Schulen bekamen die Zuschauer zudem durch Chris-Robert Berendt, FDP-Landtagskandidat im Ostalbkreis.

„Digital first, Bedenken second,“ so warb die FDP einst mit ihren Plakaten im Wahlkampf. Für Karrais sei dies im Grund zwar richtig, dennoch müsse man sich auch mit der Kehrseite der Medaille beschäftigen. „Es ist entscheidend, dass wir die Digitalisierung vorantreiben, denn der Wandel ist ohnehin nicht aufzuhalten,“ so Karrais. Die großen Tech-Firmen hätten ohne Zweifel einen immer größeren Einfluss auf unser tagtägliches Leben und unsere Kommunikation.

Er verwies auf den Messenger-Dienst WhatsApp, der mittlerweile zu Facebook gehöre, aber von fast jedem genutzt werde. „Mit diesen Firmen müssen wir uns dringend auseinandersetzen,“ merkte der Digitalpolitiker an. Die USA ließen den Tech-Unternehmen weitestgehend freie Hand, wie sie die Daten und Nutzerinformationen für ihr Geschäftsmodell verwenden. China hingegen nutze die Daten aus dem Internet für die Überwachung, Bewertung und Steuerung der Bevölkerung. Der Rottweiler Landtagsabgeordnete erklärt: „Für mich ist keines der beiden Modelle eine Lösung und hierfür kommt der EU eine besondere Verantwortung zu. Wir brauchen einen eigenen Weg. Sozusagen das Pendant zur sozialen Marktwirtschaft im digitalen Raum.“ Die viel gescholtene Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und die e-Privacy-Richtlinie seien dafür erste Schritte. „Wenn sich die EU behauptet, sind wir ein so attraktiver Markt, dass Google und Co auf unsere Anforderungen eingehen,“ ist Karrais überzeugt. Dafür wolle er sich auch im Land einsetzen.

Die beiden Praktiker hingegen gingen zu Beginn ihrer Ausführung vertieft auf den Bereich der DSGVO ein. „Wir haben alle das Gefühl, dass die DSGVO es uns insgesamt unfassbar schwermacht,“ so Bläse. Auf der anderen Seite sei die DSGVO jedoch der erste Schritt in die richtige Richtung hin zu einem europäischen Modell. Dennoch habe die Datenschutzgrundverordnung vornehmlich Auswirkungen auf den beruflichen Bereich. „Im privaten Bereich darf ich mich ganz anders verhalten,“ führt der Unternehmer fort. Hoffmann fügt an, dass man Daten durchaus auch als Währung sehen könne. „Pay by data wird oftmals unterschätzt. Unsere Daten sind für viele Unternehmen allerdings eine wichtige Währung,“ so der Datenschutzfachmann.

Dienste wie WhatsApp würden so gerne genutzt werden, weil sie kostenlos sind, so Bläse. Hoffmann ergänzt: „Wir zahlen vielleicht monetär gesehen nichts für die App, wohl aber mit unseren persönlichen Daten.“ Hier müsse man sich, besonders auch im unternehmerischen und schulischen Kontext, mit Alternativen befassen.

Der Weg hin zur digitalen Mündigkeit sei nicht einfach und vor allem sehr facettenreich, da waren sich alle Teilnehmer einig. Es sei wichtig, dass auch die Politik hier möglichst transparent vorgehe und Vorgaben mache. „Wir müssen runter von den Zuschauerrängen und rein in die Gestaltungsrolle. Wir brauchen einen ethischen Kompass für den digitalen Raum und die Rechtslage muss angepasst werden an das digitale Zeitalter,“ sagte Karrais. Diese Aufgabe müsse angesichts der Bedeutung des Themas in einem eigenen Ministerium für Digitalisierung aufgegriffen werden, so der Landtagsabgeordnete.